Freitag, 17. August 2007

2007-08-17, 15 Uhr, Rotwandstrasse

Von meinem Bürostuhl an der Rotwandstrasse aus Richtung Südwesten gesehen beginnt der Horizont auf halber Fensterhöhe mit dem flachen Lukarnendach des zehn Meter entfernten gegenüberliegenden Hauses. Diesem folgt er vier Zentimeter nach rechts - gemessen an meiner 1.30m entfernten Fensterscheibe - und steigt dann im Vierziggradwinkel mit den Firstziegeln zum blechernen Dachabschluss, den er nach 16 Zentimetern - gemessen ohne Dachschräge - erreicht. Das Blechdach steigt während der folgenden zehn Zentimeter leicht an, um nach dem First symmetrisch zu sinken. Dabei wird die Horizontlinie durch acht unverbundene schmale Eisenpfosten unterbrochen. Derjenige auf dem First stellt den höchsten Punkt dar. Er reicht als einziger bis ins obere Drittel meines Fensters. Zudem sieht man ein rundes Abluftrohr und die Spitze eines eckigen Kamins. Bei Zentimeter 34 verschwindet das Blechdach hinter dem mittleren Pfosten meines Fensterrahmens.
Im rechten Fensterflügel beginnt der Horizont wiederum auf halber Fensterhöhe mit dem nun abfallenden Hausdach. Über den Ziegeln flattert eine kleine Schweizerfahne einer entfernteren Dachterrasse. Daneben erkennt man ein Stück Antenne und die blecherne Spitze der Kuppel des Volkshauses. Auf gleicher Höhe ragt bei Zentimeter 42 der Horizontalen - gerechnet ohne mittleren Fensterpfosten – der Fernsehturm des Üetlibergs hinter dem Hausdach auf. Man sieht ihn ab dem zweiten Licht, von unten gezählt. Nach dem Dach folgen sechzehn Zentimeter natürlichen Horizonts: der bewaldete Kamm des dreieinhalb Kilometer entfernten Üetlibergs. Leicht fallend führt er in unregelmässiger, aber stetiger Linie nach rechts, wo er bei Zentimeter 60 auf die im steilen Winkel ansteigende Brandmauer der 150 Meter entfernten Bäckerstrasse 52 trifft. Auf den letzten 14 Zentimetern geht es über Geländer, Kamin, Topfpflanzen, Seilen und alte Wäschestangen auf der Dachterrasse hinüber zu einem kleinen Dachhäuschen. Auf dessen Dach schliesslich, leicht unterhalb meiner Fenstermitte, trifft die horizontale nach 74 Zentimetern auf die vertikale Linie meines rechten Fensterrahmens.
Nebst dem Bildschirm meines Computers, der Schreibtischlampe, den am oberen Fensterrand zusammengefalteten Gardinen sowie einem schmalen Band Fenstermauer und -brett sehe ich von hier ca. vier Siebtel Erde und drei Siebtel Himmel. Die Länge des Horizonts beträgt am Fenster 74 Zentimeter. Davon ist ein Fünftel natürlicher Horizont. Bei meiner Sitzdistanz zum Fenster von 1.30 Metern beträgt die tatsächliche Länge der Horizontlinie rund 500 Meter. Davon machen die nahen Häuser 50 Meter aus und der entfernte Üetliberg 450, also 90%. Nicht mitgerechnet sind Elemente wie Dachschräge bzw. Höhenmeter, diverse Dachaufbauten, das Flattern der Fahne, der Üetlibergturm sowie die Konturen des Geländes und der Bäume.



15.30, pfi

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