Samstag, 14. Juli 2007

2007-07-13, Freitag, 09.07

Hof des Städtischen Schulhauses Hardau

Ein sonniger Tag. Schüler und Schülerinnen mehrerer Klassen bilden einen Halbkreis vor einer improvisierten Bühne, darauf ein Mann auf einem Schemel hockt. Seine Schiebermütze sitzt lässig auf seinem Kopf, hinten baumelt ein grauer Rossschwanz. Er singt Kinderlieder auf Schweizerdeutsch und begleitet sich an der Gitarre. Sein Instrument wird von einer Kombibox leicht verstärkt. Wenn er die Gitarre zu fest anschlägt, verzerrt sich der Gesamtklang. Die Kinder versuchen im Rhythmus mitzuklatschen, was nicht allen gelingt, worauf ein mehrmalig folgendes Nachklatschen entsteht. «Was ich nicht weiss, weiss mini Geiss», diesen Refrain singen alle, Lehrpersonal inklusive, begeistert mit. Der Gitarrenmann ruft einen Namen auf und fragt den Knirps, ob er denn heute Geburtstag habe. Ein schüchternes «Ja» dringt aus der Menge heraus. Sogleich setzt der Sänger zu einem «Happy Birthday» an, in das Glückwunschlied stimmen alle darauf ein. Kaum ist die englische Fassung fertig gesungen, folgt die italienische und zuletzt die deutsche. Der kleine Junge freut sich über diese Form der musikalischen Würdigung. Alle klatschen, der Junge läuft rot an, der Musiker fährt mit seinem Programm weiter.

09.21 Uhr, hei

Freitag, 13. Juli 2007

2007-07-13, Freitag, 07:52 Uhr

Schmiede Wiedikon, Kreis 3

„Gömmer hüüt z’Abig a d’Limmat?“ lächelt die Frau mit den kurzen Hosen in ihr Handy hinein. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und die morgendliche Kühle verzieht sich allmählich. Zwei Spatzen hüpfen den auf den Bus Wartenden zwischen den Füssen umher, wohl in der Hoffnung, ein paar Krümel eines Morgengipfeli abzubekommen. Zwei Velofahrer beeilen sich, um noch vor den querenden Autos über die Kreuzung zu flitzen. Ein alter Mann im abgewetzten Wintermantel sitzt auf der Haltestellenbank und schaut zwei jungen Mädchen hinterher, die lachend zum 14er Tram laufen. Der 33er biegt von der Birmensdorferstrasse ein und hält. Langsam steigen Fahrgäste ein und aus, keiner scheint in Eile zu sein. Als der Bus davon fährt, bleiben nur die Spatzen übrig.

07:58 Uhr, imw

Mittwoch, 11. Juli 2007

2007-07-09, Montag, 6:47 Uhr

Bremgartnerstrasse, Kreis 3

Morgenlicht, orange-golden eingefärbt von den zugezogenen Vorhängen fällt ins Zimmer. Am Boden vor dem Bett liegt eine Sporttasche, halb geöffnet. Der Inhalt ergiesst sich in den Raum. Auf einem Hocker thront ein Turm von etwa 20 CDs, daneben ein Sammelsurium aus Schlüsseln, einer Packung Kaugummi, zwei Müsliriegeln, diversen Zeitschriften und ein paar Wäschestücken.

Von draussen dringt gedämpfter Strassenlärm ins Innere der Wohnung. Aus dem Radio tropft eine helle Männerstimme und besingt die Schwierigkeit, sich dem Mädchen seines Herzens zu nähern. Zeit zum Aufstehen. Ein linker Fuss berührt den Boden, der rechte folgt. Der Wecker klingelt zum zweiten Mal und wird mundtot gemacht. Einzelne blonde Haare, die sich vom dunklen Boden hell abheben, säumen den Weg ins Bad. Die Kaffeemaschine wird unterwegs angeheizt. Dann im Bad Radio auch dort, jetzt mit den Nachrichten des noch jungen Tages.

Im Spiegel ein schlaftrunkenes Gesicht, das geweckt werden will. Bald ist der quadratische Raum mit Wasserdampf gefüllt, dessen einzelne Tröpfchen sich auf frisch abgetrocknete Haut legen. Anziehen, frisieren, schminken.

Dann tropft der Kaffee dunkel und intensives Aroma verbreitend aus dem Kolben. Mit einem leisen Zischen versiegt die Quelle. Stille. Dann ertönt von hinten ein genuscheltes „Guten Morgen“.

7:23 Uhr imw

Montag, 9. Juli 2007

2007-07-09, Montag, 09.12 Uhr

Brunaupark

Hähnchen drehen am Spiess, Chäschüechli zu einem Arrangement in der Auslage, fertig abgepackter Sushi in Plastikbehältern in allen Preiskategorien; eine Verkäuferin bückt sich und entnimmt einem Harass kleine Pizzabrote und schichtet diese in ein Holzgestell, Schinkengipfeli türmen sich zu einer Pyramide. Zwei fallen auf den Boden. Die Verkäuferin flucht leise vor sich hin und wirft die beiden pyramiden-abtrünnigen Schinkengipfeli in einen roten Eimer. Ein anderer Angestellter nimmt mit einem Wischmopp den Boden auf und schaut den wenigen Migros-Besuchern nach. Zwei Kassiererinnen unterhalten sich auf Spanisch, derweil die eine das Förderband mit Putzmittel besprüht und darauf mit einem Lappen das Band trocken reibt. Eine Kundin kommt und legt ihre Waren auf das Förderband.

09.17 Uhr, hei

Freitag, 6. Juli 2007

2007-07-06, Freitag, 08.03 Uhr

Im 33er-Bus, Richtung Manesseplatz

«Schau mal... », ein Koffer rollt weg, einige Leute im Bus blicken kurz auf. Eine junge Frau mit bayerischem Dialek eilt ihrem Gepäckstück hinterher, sie stolpert über die Füsse der Fahrgäste. Im nächsten Moment schnappt sie nach dem Koffer, der beinahe umkippt. «Schau mal... », wiederholt ihre Begleiterin, «dort heisst ein Geschäft 'Plastikhaar'.» «Möchte ich nie im Leben betreten», gibt die andere zur Antwort und zieht das Gepäckstück etwas näher heran. Beide beginnen zu lachen. Die Fahrgäste in der unmittelbaren Hörweite schauen verlegen auf den Boden. «Kaum in Zürich, fallen wir unangenehm auf», beide lachen.

08.10 Uhr hei

2007-07-06, Freitag, 21:27 Uhr

Dufourstrasse, Kreis 8

„Velo Elsener“ steht auf dem Baldachin, der zum Schutz vor dem Regen aufgestellt ist. Darunter etwa 30 Leute, meist mittleren Alters, mit Rotweinglas oder Bier in der Hand sich angeregt unterhaltend. „Gibt es noch was zu essen?“ - „Ja, da soll es noch Käse geben.“ - „Und wo ist das Bier?“ - „Ich schau mal.“ Ein älterer Herr mit schwarzer Intellektuellenbrille und weissem Wallehaar: „Ich trinke morgens zwei Glas Bier, danach nur noch Rotwein.“

Auf einem Tisch an der Hauswand wird eine Vielfalt an Käsesorten aufgetragen. Es entsteht eine Warteschlange Hungriger, die geduldig auf ihren Teller wartet. Der Mann hinter der Käsetheke versieht seine Aufgabe beflissen und gründlich. Die Schlange wächst.

Ein Mann mit graumeliertem Haar schaut gedankenverloren auf die regenfeuchte Strasse. Im Ladenlokal stehen Tische und Bänke, daran sitzen essende, trinkende, schwatzende, rauchende Menschen. In der hinteren linken Ecke steht eine Kaffeemaschine, Nespresso, Modell „Alinghi“. Wie die gleichnamige Segelyacht erfreut auch sie sich grosser Beliebtheit. Wenn Sie dampfend und ratternd den dunkeldickflüssigen Saft freigibt, erheben die Umstehenden ihre Stimmen. Eine blonde, schlanke Frau mit halblangem Haar streicht ihrem Freund sachte über den Rücken. Dabei lächelt sie ihn an.

22:13 Uhr, imw