Draussen nieselt es leicht. Der Himmel ist grau verhangen, ein Ineinander verschieden dunkler Wolken, und taucht alles, was man sieht, in dasselbe düstere Tageslicht: die nass glänzenden Ziegel des Hauses gegenüber, das dunkelbraune Blech der Dachaufbauten, die verwitterte hölzerne Untersicht, die weissgraue, poröse Fassade. Die grau ummauerten Fenster mit den grünen Läden, die weiss gestrichenen Rahmen, die Gardinen, das Schwarz der Innenräume.
Die gelbbraune Fassade der weiter entfernten Häuserreihe, die Töpfe und Pflanzen, Möbel und Taschen auf den Balkonen. Das rauchende Paar mit braunem und blondem Haar. Das grün oxidierende Blech der Lukarnen, das dunkle Eternitdach. Das kahle Geländer der Dachterrasse, das Efeu am Kamin, die Sträucher, die Wäscheleinen, den zusammengefalteten Sonnenschirm, den Kugelgrill und den roten Liegestuhl.
Am graugrünen Wald des Üetlibergs ziehen Wokenfetzen vorbei. Manchmal umhüllen sie den Fernsehturm und manchmal geben sie ihn frei. Aus den Strassen hört man das helle Klingeln eines Presslufthammers und das Rauschen vorbeifahrender Autos.
12.30 Uhr, pfi
Montag, 20. August 2007
Freitag, 17. August 2007
2007-08-17, 15 Uhr, Rotwandstrasse
Von meinem Bürostuhl an der Rotwandstrasse aus Richtung Südwesten gesehen beginnt der Horizont auf halber Fensterhöhe mit dem flachen Lukarnendach des zehn Meter entfernten gegenüberliegenden Hauses. Diesem folgt er vier Zentimeter nach rechts - gemessen an meiner 1.30m entfernten Fensterscheibe - und steigt dann im Vierziggradwinkel mit den Firstziegeln zum blechernen Dachabschluss, den er nach 16 Zentimetern - gemessen ohne Dachschräge - erreicht. Das Blechdach steigt während der folgenden zehn Zentimeter leicht an, um nach dem First symmetrisch zu sinken. Dabei wird die Horizontlinie durch acht unverbundene schmale Eisenpfosten unterbrochen. Derjenige auf dem First stellt den höchsten Punkt dar. Er reicht als einziger bis ins obere Drittel meines Fensters. Zudem sieht man ein rundes Abluftrohr und die Spitze eines eckigen Kamins. Bei Zentimeter 34 verschwindet das Blechdach hinter dem mittleren Pfosten meines Fensterrahmens.
Im rechten Fensterflügel beginnt der Horizont wiederum auf halber Fensterhöhe mit dem nun abfallenden Hausdach. Über den Ziegeln flattert eine kleine Schweizerfahne einer entfernteren Dachterrasse. Daneben erkennt man ein Stück Antenne und die blecherne Spitze der Kuppel des Volkshauses. Auf gleicher Höhe ragt bei Zentimeter 42 der Horizontalen - gerechnet ohne mittleren Fensterpfosten – der Fernsehturm des Üetlibergs hinter dem Hausdach auf. Man sieht ihn ab dem zweiten Licht, von unten gezählt. Nach dem Dach folgen sechzehn Zentimeter natürlichen Horizonts: der bewaldete Kamm des dreieinhalb Kilometer entfernten Üetlibergs. Leicht fallend führt er in unregelmässiger, aber stetiger Linie nach rechts, wo er bei Zentimeter 60 auf die im steilen Winkel ansteigende Brandmauer der 150 Meter entfernten Bäckerstrasse 52 trifft. Auf den letzten 14 Zentimetern geht es über Geländer, Kamin, Topfpflanzen, Seilen und alte Wäschestangen auf der Dachterrasse hinüber zu einem kleinen Dachhäuschen. Auf dessen Dach schliesslich, leicht unterhalb meiner Fenstermitte, trifft die horizontale nach 74 Zentimetern auf die vertikale Linie meines rechten Fensterrahmens.
Nebst dem Bildschirm meines Computers, der Schreibtischlampe, den am oberen Fensterrand zusammengefalteten Gardinen sowie einem schmalen Band Fenstermauer und -brett sehe ich von hier ca. vier Siebtel Erde und drei Siebtel Himmel. Die Länge des Horizonts beträgt am Fenster 74 Zentimeter. Davon ist ein Fünftel natürlicher Horizont. Bei meiner Sitzdistanz zum Fenster von 1.30 Metern beträgt die tatsächliche Länge der Horizontlinie rund 500 Meter. Davon machen die nahen Häuser 50 Meter aus und der entfernte Üetliberg 450, also 90%. Nicht mitgerechnet sind Elemente wie Dachschräge bzw. Höhenmeter, diverse Dachaufbauten, das Flattern der Fahne, der Üetlibergturm sowie die Konturen des Geländes und der Bäume.
15.30, pfi
Im rechten Fensterflügel beginnt der Horizont wiederum auf halber Fensterhöhe mit dem nun abfallenden Hausdach. Über den Ziegeln flattert eine kleine Schweizerfahne einer entfernteren Dachterrasse. Daneben erkennt man ein Stück Antenne und die blecherne Spitze der Kuppel des Volkshauses. Auf gleicher Höhe ragt bei Zentimeter 42 der Horizontalen - gerechnet ohne mittleren Fensterpfosten – der Fernsehturm des Üetlibergs hinter dem Hausdach auf. Man sieht ihn ab dem zweiten Licht, von unten gezählt. Nach dem Dach folgen sechzehn Zentimeter natürlichen Horizonts: der bewaldete Kamm des dreieinhalb Kilometer entfernten Üetlibergs. Leicht fallend führt er in unregelmässiger, aber stetiger Linie nach rechts, wo er bei Zentimeter 60 auf die im steilen Winkel ansteigende Brandmauer der 150 Meter entfernten Bäckerstrasse 52 trifft. Auf den letzten 14 Zentimetern geht es über Geländer, Kamin, Topfpflanzen, Seilen und alte Wäschestangen auf der Dachterrasse hinüber zu einem kleinen Dachhäuschen. Auf dessen Dach schliesslich, leicht unterhalb meiner Fenstermitte, trifft die horizontale nach 74 Zentimetern auf die vertikale Linie meines rechten Fensterrahmens.
Nebst dem Bildschirm meines Computers, der Schreibtischlampe, den am oberen Fensterrand zusammengefalteten Gardinen sowie einem schmalen Band Fenstermauer und -brett sehe ich von hier ca. vier Siebtel Erde und drei Siebtel Himmel. Die Länge des Horizonts beträgt am Fenster 74 Zentimeter. Davon ist ein Fünftel natürlicher Horizont. Bei meiner Sitzdistanz zum Fenster von 1.30 Metern beträgt die tatsächliche Länge der Horizontlinie rund 500 Meter. Davon machen die nahen Häuser 50 Meter aus und der entfernte Üetliberg 450, also 90%. Nicht mitgerechnet sind Elemente wie Dachschräge bzw. Höhenmeter, diverse Dachaufbauten, das Flattern der Fahne, der Üetlibergturm sowie die Konturen des Geländes und der Bäume.
15.30, pfi
Dienstag, 14. August 2007
2007-08-14, 10.30 Uhr, Rotwandstrasse
Ich öffne unseren Briefkasten und nach einigen Versuchen lässt sich das alte Namensschild seitwärts durch einen inwendigen Schlitz im Blech entfernen. Es enthält meinen Namen und den meiner ehemaligen Mitbewohnerin. Ich ersetze es mit dem neuen Schild, das wiederum meinen Namen, neu aber den meiner Frau enthält. Mit dem zerkratzten Plexiglas vor dem Schild sieht auch das neue sofort alt aus. Ich ziehe die provisorische Selbstklebe-Etikette mit dem Namen meiner Frau von der Briefkastentür. Die Reste des Klebstoffs kratze ich mit dem Fingernagel weg.
Das Namensschild am Klingelbrett lässt sich nicht von Hand entfernen. Ich hole mein Armeemesser in der Wohnung und löse unser altes aufgeklebtes Schild ab. Darunter kommt das Schild unserer Vormieter zum Vorschein. Es lässt sich weder mit dem Schraubenzieher noch mit der Aale des Messers entfernen. Beim Nachbarn besorge ich mir mehrere Schraubenzieher und einen Hammer. Alles Klopfen, Hebeln und Stechen bringt nichts. Ich schwitze. Eine Nachbarin leert den Briefkasten. „Weißt du, wie diese Namensschilder montiert sind?“, frage ich sie. „Keine Ahnung“, sagt sie, „aber das sieht nicht gut aus, gerade jetzt.“ Ich räume mein Werkzeug zusammen, hinterlasse das zerkratzte Schild unserer Vormieter und deponiere unseres im Milchkasten. Zurück in der Wohnung rufe ich den Hauswart an, doch es kommt nur sein Telefonbeantworter.
11 Uhr, pfi
Das Namensschild am Klingelbrett lässt sich nicht von Hand entfernen. Ich hole mein Armeemesser in der Wohnung und löse unser altes aufgeklebtes Schild ab. Darunter kommt das Schild unserer Vormieter zum Vorschein. Es lässt sich weder mit dem Schraubenzieher noch mit der Aale des Messers entfernen. Beim Nachbarn besorge ich mir mehrere Schraubenzieher und einen Hammer. Alles Klopfen, Hebeln und Stechen bringt nichts. Ich schwitze. Eine Nachbarin leert den Briefkasten. „Weißt du, wie diese Namensschilder montiert sind?“, frage ich sie. „Keine Ahnung“, sagt sie, „aber das sieht nicht gut aus, gerade jetzt.“ Ich räume mein Werkzeug zusammen, hinterlasse das zerkratzte Schild unserer Vormieter und deponiere unseres im Milchkasten. Zurück in der Wohnung rufe ich den Hauswart an, doch es kommt nur sein Telefonbeantworter.
11 Uhr, pfi
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